Bergschmuck aus den Glarner Alpen

Artikelauszug SAC Alpen, Autorin Astrid Brunner


Im März 2001 trug Peter Oberholzer zwei schwere Silberringe im Schmuckkästchen nach New York. Die Ringe waren für die Ausstellung „Glarner Künstler in Manhattan“ in der Abraham Lubelski Gallery am Broadway bestimmt. Sie stellten im Massstab 1:500 000 das gesamte Linthtal im Relief dar. Und bildeten den Beginn einer spannenden Schmuckserie.„Angefangen beim Ursprung der Linth, vom Tödi talabwärts bis zum Walensee. Das Linthtal, mit seinen Höhen und Tiefen, läuft endlos um den Finger, so dass nach dem Tödi gleich wieder der Walensee kommt.“, stand 2001 in einem Zeitungsinterview mit Schmuckdesigner Peter Oberholzer. Die 20 mit dieser Originalgravur gefertigten Ringe sind unterdessen längst verkauft. Der „Linth Valley Ring“ ist Geschichte und zugleich der Beginn des Bergschmuck-Werks von Peter Oberholzer.


Ein Beginn ohne Berge

Aufgewachsen in Zürich, absolviert Peter Oberholzer eine Mechanikerlehre in Dübendorf. Kurz danach treiben ihn 1981 Abenteuerlust und Fernweh in die weite Welt, nach Mexico, Guatemala und Belize. Monate später wieder in der Schweiz, arbeitet er als Lastwagenchauffeur in Zürich. Doch die Stadtluft behagt ihm nicht, und er verlegt 1983 seinen Wohnsitz nach Rüti/GL. Hier erlebt er erstmals ganz bewusst das Zusammenspiel von Heimat und Berge. Trotzdem zieht es ihn nur ein Jahr später wieder in die Ferne, diesmal nach Südamerika – Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien. Auf dieser längeren Reise erkennt Oberholzer seine „Berufung“: In Ecuador fängt er an, Schmuck herzustellen „mit Korallen, Steinen, Federn“. Zurück in der Schweiz wandelt er diese Erfahrung bewusst in seinen Beruf um. Er lernt „das Schleifen von Edelsteinen, die ich dann sofort zu in Silber gefassten Schmuckstücken verarbeitete und auf Märkten verkaufte“. Neben dem Experimentieren belegt Peter Oberholzer auch Kurse für Edelsteinfassen, Arbeitstechniken, Platinverarbeitung.


Nach dem Tal die Berge

Heute ist Peter Oberholzer Vater von 4 Kindern und führt sein Atelier am Gemeindehausplatz in Glarus. Hier entsteht im März 2001 der am Broadway viel bewunderte „Linth Valley Ring“. Der Erfolg hat Auswirkungen, der Landschaftsschmuck wird weiterentwickelt. Nun sind es einzelne Bergmassive, die dank des grösseren Massstabs detaillierter herausgearbeitet werden können: Tödi, Ortstock, Tschingelhörner, Glärnisch, Wiggis, Piz Bernina, Eiger-Mönch-Jungfrau und Matterhorn. „Es kommen laufend neue Motive dazu“, erläutert Oberholzer, „man kann auch seinen Lieblingsberg auf einem Ring oder einem Collier verewigen lassen.“ Auch den Mount Everest, den Oberholzer gerne in Metall umsetzen würde.


Stadt und Land

Das neueste Modell, als Reliefring gefertigt, ist der Zürichseering. Diese Arbeit vereint die Region seiner Kindheit, die Stadt Zürich, mit dem Glarnerland. Aus der Idee, die Aussicht von Zürich auf das Vrenelisgärtli und das Glärnischmassiv, auf einen Ring zu projezieren, entstand ein einzigartiges Schmuckstück.Die Landschaft um den Zürichsee, Albiskette, Sihltal, Forch, Seedamm, etc. ist ebenso detailiert herausgearbeitet wie die bergigen Regionen vom Sihlsee und Wäggitalersee bis zum Glärnischmassiv. Je länger man sich diesen Ring anschaut, desto mehr nimmt einem dieses faszinierende Stück gefangen.


Wenn Liebe Berge versetzt

Nicht nur die Bergmotive werden reichhaltiger, auch die Technik hat sich geändert. Während beim „Linth Valley Ring“ neben diversen Fotos noch ein Original-Schulrelief der Kantonsschule Glarus Modell stand, entnimmt Oberholzer jetzt die Formen und Strukturen für die Einzelansichten neben Fotos auch einem speziellen Computerprogramm. Mittels Stichel und Fräser wird alles direkt aus Silber und Gold herausgearbeitet. Oberholzers Bergschmuck erinnert oft an feine Scherenschnitte in Edelmetallen. Ganz speziell sind seine Berg-Eheringe, die nicht nur Liebende, sondern auch Bergregionen verbinden. Für Braut und Bräutigam aus verschiedenen Regionen der Schweiz, die beispielsweise aus dem Berner Oberland und dem Glarnerland ins Studio kommen, vereint Oberholzer Finsteraarhorn und Glärnisch zu einem Schmuckstück. Ganz nach dem Motto, dass Liebe Berge – diesmal auf einen Ring – versetzen mag.


Schmuck-Berge

Selbstverständlich gibt es bei Oberholzer auch Nicht-Hochzeitliches für Bergliebhaber, so die Glarner Hauptüberschiebung an den Tschingelhörnern oder der Kristallkluft-Ring der mit feinsten Glarner Kristallen besetzt ist.Das ist pure Bergbegeisterung seitens des Schmuckkünstlers Oberholzer. Die äussert sich auch in seinen bergbezogenen Hobbys wie Klettern, Bergsteigen, Wandern, Skifahren, Snowboarden. Der Seiltanz von Kunst und Kommerz, die Liebe zu den Bergen und zu seiner Familie, die Wanderjahre in Südamerika, die ansteckende Begeisterung für Kunst und Leben kommen im Bergschmuck vom Gemeindehausplatz in Glarus zum Ausdruck.


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